WILLKOMMEN
bei Marianne Marlene Peternell

 

DEUTSCH-UNTERRICHT IN DER OBERSTUFE

Interpretationsarbeit: Innerer Monolog, Monolog:

Integration verschiedener Bildungsbereiche:
  • Literarhistorische Bildung (Arthur Schnitzler ‚Leutnant Gustl’ kennen lernen; Folgewirkungen für Schnitzler; Migrantenliteratur in Ansätzen kennen lernen)
  • Kreative Kompetenz: einen inneren Monolog selbst verfassen können
  • Literarische Kompetenz: die Leistung des inneren Monologs erfassen; die Leistung von Migrantenliteratur für den interkulturellen Dialog erfassen
  • Politische Bildung (Gastarbeiter und ‚Fremde’ in der Wahrnehmung von Deutschen und Österreichern mit Hilfe des inneren Monologs realistisch gespiegelt durch einen arabischen Schriftsteller)
  • Persönlichkeitsbildung (Empathie: mit den Augen des Anderen sehen; der Umgang mit Anderen;     Konfliktbewältigung; den Unterschied von Empathie und Identifikation erfassen)
 
1. UE
Zunächst wird ein Ausschnitt aus Schnitzlers „Leutnant Gustl“ gelesen: Die SchülerInnen werden über Arthur
Schnitzlers Leistungen als „Seelenkundler“ zur Jahrhundertwende informiert. Sie erhalten Informationen über den
Ehrenkodex der Offiziere in der Adelsgesellschaft. Der Textausschnitt mit der Kernaussage des Bäckermeisters
„Sie dummer Bub“ zeigt deutlich die Mischung von Angst vor Gewalt und homoerotischem Übergriff bei Leutnant
Gustl, der mit seinem Ehrenkodex vermischt ist. Das Problem, sich von einem einfachen Bäckermeister dummer
Bub schimpfen und bedrohen zu lassen, ist zudem besonders mit der Offizierswürde und dem gesellschaftlichen
Ansehen des jungen Leutnant Gustl unvereinbar.
Schüler finden es meist erstaunlich, dass Schnitzler wegen dieses Textes unehrenhaft aus dem Offiziersrang entlassen worden ist.
 
Meist finden sie den Text unterhaltsam und können Bezüge zu eigenem Erleben herstellen, was sich in lebhafter Anteilnahme äußert und auch darin zeigt, dass sie den Säbel als Phallussymbol unmittelbar identifizieren. Die historische Distanz des Ehrenkodex ermöglicht offene Gespräche.
 
Danach wird die Bauweise des inneren Monologs mit seinen subjektiven Assoziationen, Gedankensprüngen, Auslassungen usw. an der Tafel erläutert.
 
 
 
2.UE
Kreatives Schreiben:
Die SchülerInnen sollen nun selbst die Textart „innerer Monolog“ erproben:
„Die Indianer haben gesagt, du kennst nie einen anderen, wenn du nicht zumindest einmal in seinen Mokassins gegangen bist.“. Man müsse die Welt auch manchmal mit den Augen eines anderen betrachten. Leicht sei es, sich in jemanden zu versetzen, der einem sehr ähnlich sei. Schwieriger ist es, sich in jemanden zu versetzen, der nach Alter, Beruf oder sonstigen Zugehörigkeiten anders sei. Sie bekommen nun die schwierigere Aufgabe. Sie sollten sich an eine konkrete Stunde in ihrer Klasse erinnern, sich eine bestimmte Lehrkraft vergegenwärtigen und sich in diese Lehrkraft hinein versetzen. Arbeitsauftrag: „Verfasse den inneren Monolog einer Lehrkraft deiner Klasse nach Verlassen einer bestimmten Stunde in der Klasse.“
Abschließend sollten sie in Zweiergruppen einander die Ergebnisse vorlesen. Sie sollten wechselseitig erraten, welche Lehrkraft gemeint sei. Die Lehrkräfte werden meistens durchwegs erraten.
Die Leistung des inneren Monologs ist offenbar, dass man damit Personen von innen her charakterisieren kann. Das haben die SchülerInnen nun selbst erlebt.
 
 
3.UE
Ein „innerer Monolog eines Lehrers“ verfasst von einem fingierten Schüler, der damit einen Lehrer charakterisiert, der Schülern eher abwertend gegenüber steht, wird präsentiert. Es geht nun um die Frage der Interpretation. Angeblich deuten einige Erwachsene den Text ganz in der Perspektive des dargestellten Lehrers und bewerten nun die Klasse ebenfalls negativ.
Der logische Fehler wird herausgearbeitet. Eine begriffliche Unterscheidung zwischen Empathie und Identifikation wird vorgenommen.
Es wird darauf verwiesen, dass die Deutung eines (inneren) Monologs den Autor nicht vergessen darf, der die Absicht verfolgt mit Hilfe des inneren Monologs eine Person zu charakterisieren. Auf eigene Bewertungen der dargestellten Handlungen ist dabei zunächst zu verzichten.
 
 
Text:
Stellt euch vor, ein Schüler, er hat in der Stunde zuvor eine Cola umgeworfen, hätte die Aufgabe einen inneren
Monolog zu verfassen. Er versetzte sich in einen Lehrer, der SchülerInnen nicht besonders leiden kann und einen
schlechten Tag hat.
Der Schüler schreibt den inneren Monolog eines Lehrers im Konferenzzimmer, der halblaut vor sich hinredet:
„Diese blöden Idioten, diese Trotteln! Das Schülermaterial ist einfach unter jeder Kritik! Hat doch dieser Affe,
der jedes Mal, wenn man ihm etwas beibringen will, mit seinem Nachbarn schwätzt, dann aber dumm dreinschaut, wenn er drankommt, dieses Mal seine Cola auf dem Tisch ausgeleert. „Scheiße!“, hat er geschrieen. So ungeschickt muss einer sein. Dass der auch über den Heften im Unterricht seine Cola trinken muss! Wahrscheinlich isst der zu Hause seine Fettbrote über den Hausaufgaben. Ordnungssinn geht denen ja heute völlig ab. Respekt vor dem Lehrpersonal gibt es selten. Ich finde meinen Kuli nicht mehr, den haben sicher diese Biester geklaut. Aber ich werde es ihnen nachweisen, ja das werde ich!
Während der Lehrer Meier halblaut spricht, sagen die anderen im Raum halblaut „Jaja.“
 
Der Schüler bringt seinen Text einem Erwachsenen zur Interpretation:
Der schreibt.
Lehrer Meier hat in seiner Klasse mit lauter Idioten, Trotteln und respektlosen, ordnungsfeindlichen Biestern zu tun, die ungeschickt sind und keinen Respekt kennen. Man bekommt einen guten Eindruck, wie es heute in Schulen zugeht.
 
Was ist das Problem dieser Interpretationsarbeit?
 
 
 
4. UE
Der Text von Rafik Shami, einem syrischen Schriftsteller, der in Deutschland äußerst beliebt ist und
zahlreiche Preise erringen konnte, „Der Kummer des Beamten Müller“ problematisiert die Ausländerfrage
auf humorvoll-ironische Weise, indem er einen äußerst mürrischen ausländerfeindlichen Beamten im
deutschen Büro für Aufenthaltsbewilligungen mit Hilfe eines Monologs von innen her charakterisiert.
Dies wird jedoch erst am Schluss des Textes klar. Zuvor ist man unmittelbar mit zahllosen Wertungen,
Schimpfworten, Missverständnissen und Vorurteilen konfrontiert, die Herr Müller in Ich-Form zum Besten
gibt, sodass die Gefahr einer unmittelbaren Identifizierung gegeben ist und nur die Kenntnis der Technik des
inneren Monologs davor schützt, sowie allenfalls die Irritation, dass der Text durch einen arabischen
Schriftsteller verfasst wurde, der selbst einmal als Gastarbeiter und arabischer Schriftsteller um
Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland ansuchen musste.
Nun werden die Erkenntnisse der letzten Stunde auf eine harte Probe gestellt:
 
 
Angaben zum Autor:
Rafik Schami (* 23. Juni 1946 in Damaskus) (arabisch رفيق شامي) ist ein
syrisch-deutscher Schriftsteller und ein promovierter Chemiker. Der nom de plume (=Pseudonym)
„Rafik Schami“ bedeutet Damaszener Freund oder „der aus Damaskus kommt“, der bürgerliche
Name des Autors ist Suheil Fādél (arabisch سهيل فاضل). Er stammt aus der christlich-aramäischen
 Minderheit in Damaskus, besuchte ein jesuitisches Kloster-Internat im Libanon und studierte in Damaskus
 Chemie, Mathematik und Physik. Schon mit 19 hatte sich Rafik Shami der Literatur verschrieben und
 gründete 1966 in der Altstadt von Damaskus die WandzeitungAl-Muntalak“ (dt. Ausgangspunkt),
 die 1969 verboten wurde. 1970 floh Rafik Schami aus seinem Heimatland Syrien zunächst in den Libanon,
 zum einen um dem Militärdienst zu entgehen, zum anderen weil er wegen der Zensur nach eigenen Angaben
 ‚zu ersticken’ drohte. 1971 exilierte er nach Westdeutschland, wo er mit der Einwanderungsbehörde zu tun
 bekam. Er setzte sein Chemiestudium in Heidelberg fort und schloss es 1979 mit der Promotion ab.
 Neben seinem Studium arbeitete er in verschiedenen Aushilfsjobs und veröffentlichte zahlreiche Texte
 in Zeitschriften und Anthologien, zunächst in arabischer, seit 1977 auch in deutscher Sprache. 1978 erschien
 mit ‚Andere Märchen’ sein erstes Buch in deutscher Sprache. 1980 war er Mitbegründer der literarischen
 Gruppen Südwind und PoLiKunst (= Polynationaler Literatur- und Kunstverein). Seit 1982 lebt er als freier
 Schriftsteller in der Pfalz. Rafik Shami gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten deutschsprachigen Autoren
 der Gegenwart, für sein Werk hat er zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten. Sein Erfolg gründet sich
 nicht zuletzt auf seine zahlreichen Lesungen, bei denen er sein Talent zum freien Fabulieren entfaltet. Der Verkauf
 des ein Millionsten Exemplars der Taschenbücher Schamis bei dtv im Januar 2005 zeugt von seiner gleich bleibend  großen Beliebtheit beim deutschen Publikum. Schami hat die Staatsbürgerschaft von Syrien und Deutschland.
Die bestimmenden Themen von Schamis Werk sind das Leben der Migranten in Deutschland, die Darstellung
  der arabischen Welt damals, heute und in der Utopie, Politik und Gesellschaft sowie das Erzählen. Schami gilt
  als ein begnadeter Erzähler.
 
Die Erzählung „Der Kummer des Beamten Müller“ erschien im Erzählband:
Die Sehnsucht fährt schwarz. Geschichten aus der Fremde, Stuttgart, dtv 1996
 
(nach http://de.wikipedia.org/wiki/Rafik_Schami, Abfrage am 7.10.2007)
Rafik Schami
Der Kummer des Beamten Müller
Sie glauben doch nicht im Ernst, daß es mir mit diesen Kanaken, Kamel­treibern und Spaghettis gut geht!
Da kommt doch dieser halbwüchsige Spaghetti, der mich jedes Jahr wahnsin­nig macht, mit seinem offenen Hemd und seiner speckigen Lederjacke hereingetanzt, als wäre die Behörde eine Diskothek. Ich werde das Gefühl nicht los,  dass diese Itaker von Geburt an keinen Respekt vorm Gesetz haben.Weißt du, was er mir sagt, mein Lieber? Der Freche sagt zu mir, an meiner Stelle würde er sich die Arbeit ganz einfach machen, und ich Idiot frage auch noch: „Wie denn?"
Da sagt doch dieser Kerl, er würde jedem einen Stempel schenken, zum Mitnehmen nach Hause. "Warum immer hierher? Besser zu Hause ein Stempel!"
Wo kämen wir da hin, wenn das so wäre! Nein, seit zwei Jahren schreibt dieser Spaghetti bei „Nationalität" nicht mehr „Italiener",sondern „Gastarbeiter".
Jedesmal erkläre ich es ihm, und er antwortet: „ich nix weiß, ich vorher  Italiano, aber jetzt nix Italiano, nix Deutsch, ich Gastarbeiter", und das Schlimmste ist, er lacht dabei, und genau das macht mich krank. Statt meine Fragen zu beantworten, erzählt er mir dauernd Geschichten von seinem schlechten Capo. Jedes Jahr dasselbe.

„Ich viil Arbeit, aber Capo sagt, nix gut.Warum?"                                                                         20

Ich sage ihm, er soll arbeiten, die Maschine anglotzen und nicht den Meister, und er sagt: „Ich immer Capo sehen, auch Traum!"

Ja, ja, und mir soll es gutgehen.

 

„Ach, guten Abend, Herr Al Tachtal

Na ja, woher holt der bloß immer wieder die Frauen. Ein Scheißkerl. Muchamed Achmed Al Achtal, mein Lieber, da bricht einem die Zunge ab, ein Reibeisen im Hals wäre ein Zuckerlecken dagegen. Wozu das Ganze, ich zum Beispiel heiße ganz einfach Hans Herbert ... Hans Herbert ... ganz leicht und nicht Achchmed Machchmed

Glauben Sie ein einziger Kanake hat bis jetzt meinen Namen richtig ausgesprochen? So dumm sind die Brüder. Der Kameltreiber sagte mir im letzten Jahr, mein Name sei ihm zu lang. Er würde mich Hansi nennen. Auf arabisch soll das „mein Hans" bedeuten. Um Gottes willen. Ich bin doch nicht schwul! Aber diesem Kameltreiber habe ich es gezeigt, der kommt her und steckt mir einen stinkenden, zerdrückten Paß entgegen, und ich mache ihn auf. Weißt du, was darin steht?
„Geboren: 1342." Also stell dir vor, am Anfang dachte ich, das ist eine Fälschung oder der will mich auf den Arm nehmen. Aber nein! Denkste! Das ist moham­medanische Zeit. Ich sage mir, los Herbert, nur ruhig Blut, ein Sandfresser kann dich doch nicht aus der Ruhe bringen. Ich frage ihn: „Also wieviel macht es christlich?"
Weißt du, was er sagt? Er glaubt, es sei 1940! Er glaubt es! ... Nicht glauben soll er, sondern belegen soll er, habe ich ihm gesagt. Mein Lieber, das war ein Krach! Aber das war noch nicht mal so schlimm, denn bei Beruf trug er „Schriftsteller" ein. Am Anfang dachte ich, das sei ein Scherz.  ..Nicht doch, Herr Achtmal", sagte ich "Sie können doch kaum Deutsch und wollen Schriftsteller sein?" Und was macht er'? Er zückt ein Buch aus seiner stinkenden Tasche. "Hier mein Buch. Schöne Errsäluung, 11 Mark 80, für Sie 10,80."

Also ich muß doch bitten, wir sind hier nicht im Basar. Ich habe ihn weggeschickt. Erst muß er einen ordentlichen Beruf nachweisen, dann bekommt er die Aufenthaltserlaubnis,sonst nix ... Schau dir den an,gar keinen Kummer hat er. Wenn ich er wäre, hält ich mich um eine Stelle gerissen, und was macht er? Mit Weibern herumkutschieren! Ich sage dir, das verdirbt mir die Laune! Was ist das für ein Tag heute, erst verdirbt mir dieser Kümmeltürke den Vormittag, dann dieser Kameltreiber den Abend.

Der Kümmeltürke kommt heute morgen So gegen 10 Uhr, er kommt mit seinen zwei Bälgern und seinem Weib, als wäre ein Behördengang ein Ausflug.Sie setzen sich.sie breiten sich aus bei mir, und eine dieser Rotznasen zerrupft schon nach paar Minuten zwei Blätter von meinem Gummibaum und bringt sie mir."Daputt", sagt er.

Der andere Balg schielt auf meinen Kugelschreiber. Ich komme ihm aber zuvor und nehme den Kuli weg. Da sagt doch dieser Türke: „Kind nix wegnehmen. Yassin brav, nur schipilen. Kind muss!“
„Ja, aber nicht hier in der Behörde, ich bitte Sie!" sage ich.                                                       
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„Doch, muss", brüllt der Kanake."Du Kind haben?" fragt er und haucht mich mit seinem Knoblauchatem an.
„Ja, zwei", antworte ich, aber bevor ich noch einen Blick in seine Akte werfen kann, haucht er mich gleich wieder an.
„Wie alt?" will er wissen.                                                                                                                    
Ich antworte nicht, weil das ja zu weit geht. Der Türke geht zu seinem Weib und holt zwei bunte Schachteln.
„Hier für Kind, türkisch,schmeckt extra prima!" haucht er mich wieder an. Ich habe schon das Gefühl, irgend etwas stimmt nicht mit seinen Papieren, aber die Zeit ist knapp. Ich schüttele den Kopf. „Hier nix Istanbul! Hier Deutschland! Nix Bakschisch!Verstehen?"
Der Türke wird blass, und ich suche in den Papieren nach dem Grund der Bestechung, aber ich finde nichts.
Also, ich mußte ihm den Stempel geben. Erst nachmittags hatte ich Zeit und nahm die Mappe noch einmal unter die Lupe, und ich fand raus, weshalb dieser Gauner mich bestechen wollte. Zwei Wochen Verspätung hatte er mit seiner Ummeldung. Das habe ich gleich für nächstes Jahr vorgemerkt.

Mein Lieber, dir geht's gut, aber mir geht's, seitdem ich in diesem Amt bin, nicht mehr gut. Nicht einmal meine Frau versteht mich mehr. Sie sagt, ich rede mit ihr in gebrochenem Deutsch, vor allem, wenn ich wütend bin, das habe ich nun davon!

 

Herr Müller sprach an diesem Abend immer wieder den Barkeeper an, der hin­ter der Theke der kleinen Kneipe stand. Aber der Barkeeper hörte nicht zu, ab und zu sagte er „Na ja" oder „Was Sie nicht sagen!" Er war sehr beschäftigt,sein Blick wanderte über die Gläser, er füllte immer wieder nach, stellte neue auf    die Theke, kritzelte Striche auf die Bierdeckel. Auch wenn Herr Müller sein Glas geleert hatte, schenkte ihm der Barkeeper das nächste voll, kritzelte einen Strich auf den Bierdeckel und sagte geistesabwesend:,Zum Wohl!"

 

 

 

Wie wird der Beamte Müller mit Hilfe des Monologs charakterisiert?
Welche Absicht verfolgte der Autor mit seinem Text?
Warum hat Schami nicht folgenden Text verfasst?
 
 
Ein Tag im Leben des Beamten Hans Meier
Ein Italiener kommt in die Behörde. Er hat einen tänzelnden Gang. Er trägt eine Lederjacke. Das ist aber sympathisch, Südländer sind so besonders lebenslustig, denke ich mir.
Er klagt, er sei kein richtiger Italiener mehr, er sei auch kein Österreicher, er sei Gastarbeiter.
Er hat seine italienische Sprache, seine Kultur verloren, aber keine neue gefunden. Er lebt in einer Zwischenwelt. Es tut mir weh und ich weiß nicht, wie ich ihm helfen soll. Er schreibt in dem Formular in der Spalte Nationalität statt Italiener Gastarbeiter und ich verstehe ihn. Ich werde das den Behörden erklären. Tatsächlich verlieren die Gastarbeiter wegen des Anpassungszwangs ihre nationale Identität. Er sagt, er träumt sogar von seinem Chef. Ich stelle mir vor, dass dieser ihn anschreit und demütigt und dass er davon Alpträume bekommt, weil er nicht ausweichen und sich nicht helfen kann. Ich rate ihm in einer Gruppe betreuter Ausländer Zuflucht zu suchen. Ich gebe ihm eine Adresse.
Er will nicht mehr so oft zur Einwanderungsbehörde kommen wegen einer Aufenthaltsbewilligung, er findet das unerträglich. Er schlägt scherzhaft vor, ihm den Stempel für die häufigen Formulare mitzugeben. Ich kann ihn verstehen. Er arbeitet seit 10 Jahren hier und immer noch muss er jährlich seine Arbeitsbewilligung abholen und mit dieser um Aufenthaltsbewilligung ansuchen. Er fühlt sich wie ein Mensch zweiter Klasse. Ich senke den Kopf und sage nichts. Ich stemple seine Aufenthaltsbewilligung ab.
Dann kommt Ali Muchmad Achtal, ein arabischer Schriftsteller, der sich bei Frauen beliebt macht und selbstbewusst auftritt. Ich gebe ihm die Hand und sage, dass es mir schwer fällt seinen Namen richtig auszusprechen, weil er für mich ein Zungenbrecher ist. Er sagt, dass es ihm mit meinem Namen auch so geht. Wir einigen uns darauf, dass ich ihn Ali und er mich Hansi nennt, das ist für uns beide nicht schwer. Er sagt, Hansi bedeute auf arabisch „Mein Hans“. Das finde ich sehr nett. Irgendwie freundschaftlich. Er zeigt mir ein Büchlein, er sagt in seinem gebrochenen Deutsch, es sei eine schöne Erzählung, die koste nur 10,60 für mich, im Buchladen wäre sie teurer. Sicher ist er stolz, dass er eine Erzählung geschrieben hat und dass man sie kaufen kann. Ich lache, ich sage, dass ich leider gar kein arabisch verstehe und das Büchlein gar nicht lesen kann. Er sagt, dass er 1320 geboren ist. Ich habe schon Erfahrung mit der islamischen Zeitrechnung, ich schaue schnell auf meinem Umrechnungskalender nach und trage dann 1940 als Geburtsjahr ein. Wir reden darüber, dass es seltsam ist, dass es auf der Welt so viele verschiedene Arten der Zeitrechnung gibt. Er erzählt mir, dass manche Menschen in arabischen Ländern oft gar nicht genau wissen, in welchem Jahr sie geboren sind. Die Verwaltung sei dort noch nicht so wichtig und streng. Manchmal lassen Eltern aus bäuerlichen Gegenden ihre Kinder erst in dem Jahr ins Geburtsregister eintragen, in dem sie zufällig in die Stadt kommen. Das Geburtsjahr sei nicht besonders wichtig für die Leute und auch nicht für die Verwaltung. Ich denke darüber nach, warum es bei uns eigentlich so wichtig ist genau auf den Tag zu wissen, wie alt jemand ist und seit wann das bei uns so ist.
Ali geht.
Dann kommt eine türkische Familie. Der Vater hätte auch alleine kommen können, aber es sind vermutlich Dörfler aus Anatolien, da ist der Gang zu einem Amt ein bedeutsames Ereignis. Der Respekt gegenüber dem Amt zeigt sich auch in außerordentlich festlicher Kleidung. Das Kind ist sehr lebendig. Es nimmt von meinem Tisch einen Kugelschreiber und spielt damit. Der Vater bemerkt meinen Blick und sagt. „Kind muss spielen.“ Ich weiß, Türken lieben Kinder über alles. Dass Kinder spielen müssen, braucht selbst einem türkischen Dörfler kein Experte erzählen. Ich sage, das ist wahr und gebe dem Kind einen Ball im Tausch gegen den Kuli, den brauche ich nämlich selber. Den Ball habe ich für solche Fälle in meiner Schublade. Der Vater fragt, ob ich auch Kinder habe. Ich weiß, es gehört zu türkischer Höflichkeit und Freundlichkeit sich zuerst danach zu erkundigen, ob man Kinder hat, ob man verheiratet ist. Ich erzähle, dass ich 2 Kinder habe. Er freut sich über alle Maßen über dieses Gottesgeschenk und gibt mir eine Schachtel türkischer Süßigkeiten für meine Kinder. Ich finde das rührend, es muss ihn viel gekostet haben. Doch das türkische Gefühl für Großzügigkeit und persönliche Freundlichkeit und Familienehre steht über dem Finanziellen. Ich bedanke mich, indem ich mich verbeuge, für das Geschenk. Ich hole aus der Schublade eine Schachtel Merci und schenke sie ihm für sein Kind. Er weint fast vor Rührung. Ich sage ihm, dass wir nun Freunde sind. Er braucht in Zukunft nicht mehr Geschenke mitzubringen, versuche ich auch noch zu sagen. Doch ich weiß nicht, ob er mich verstanden hat. Der zeremonielle Teil der Höflichkeiten ist für ihn nun vorbei. Nun geht es um das Ausfüllen der Dokumente. Er macht das langsam und umständlich und stets etwas scheu und respektvoll. Wir verabschieden uns.
Ich bin müde von den vielen Eindrücken und gehe nach Hause.
 
 
Eine mögliche Textinterpretation „Der Kummer des Beamten Müller“
 
Der Text „Der Kummer des Beamten Müller“ ist eine Erzählung von Rafik Shami, die 1996 erschienen ist.
In dem Text geht es um einen deutschen Beamten, der bei der Einwanderungsbehörde arbeitet. Er sitzt in einer Kneipe und erzählt einem Barkeeper in einem langen Monolog von seinem Arbeitsalltag und seiner Sicht der Probleme, die sich aus dem Zusammentreffen mit Ausländern in seinem Amt ergeben. Er ist frustriert und verärgert und bezeichnet die Ausländer mit abwertenden Schimpfwörtern. Der Barkeeper jedoch hört ihm kaum zu und antwortet mit nichts sagenden Floskeln.
 
Zunächst erzählt Herr Müller von einem Italiener, den er mit Schimpfwörtern wie „Spaghetti“ und „Itaker“ belegt. Angewidert ist Herr Müller auch von dessen nachlässiger Kleidung, die er einem Amt nicht angemessen findet, da er ein offenes Hemd und eine abgewetzte Lederjacke trägt. Der Italiener, der jährlich erneut um Aufenthaltsbewilligung ansuchen muss, meint, dass man den Ausländern den Stempel mitgeben solle, was Herr Müller als extreme Frechheit und Respektlosigkeit wertet. Er berichtet auch, dass er sogar nachts von seinem Chef träume. Zudem berichtet der Italiener, dass er seine Muttersprache und seine italienische Identität verloren habe, er sei aber deshalb auch kein Deutscher geworden, er sei Gastarbeiter. Daher trägt er ‚Gastarbeiter’ in das Feld Nationalität ein, was Herr Müller als Provokation auffasst.
Danach berichtet Herr Müller von einem Araber, den er mit Schimpfwörtern wie ‚Kameltreiber’ und ‚Sandfresser’ belegt. Er berichtet, dass dieser Araber einen für ihn sehr schwer aussprechbaren Namen trage, während er seinen eigenen leicht aussprechen könne. Dem Araber geht es umgekehrt aber genauso mit dem Namen des Beamten, den er daher ‚Hansi’ nennen will. Das bedeute auf arabisch mein Hans. Herr Müller wertet das als eine Art schwulen Übergriff. Er bemerkt, dass der Araber von vielen Frauen umgeben ist. In seinem Pass steht als Geburtsjahr eine Jahresangabe nach islamischer Zeitrechnung. Herr Müller kann die Jahreszahl nicht in christliche Zeit umrechnen und auch der Araber kennt die Umrechnung nur ungefähr, was Herrn Müller sehr erbost. Der Araber gibt an Schriftsteller zu sein, doch Herr Müller weist dies als unmöglich zurück, da er nicht ausreichend Deutsch spreche. Er gibt dem Araber keine Aufenthaltserlaubnis, da er sich erst einen ordentlichen Beruf suchen müsste.
Als dritte Partei kommt in Herrn Müllers Erzählung eine türkische Familie vor. Herr Müller bewertet es negativ, dass die gesamte Familie in Festkleidung beim Amt erschienen ist. Es entsteht ein Konflikt, da das Kind der Familie mit einem Kugelschreiber des Beamten spielen will, was Herr Müller nicht erlaubt, er hat den Verdacht, das Kind wolle stehlen. Der Türke klärt ihn darüber auf, dass Kinder spielen müssen. Das Kind macht ein Blatt vom Gummibaum kaputt, was für weiteren Ärger Herrn Müllers sorgt. Der türkische Vater schenkt ihm Süßigkeiten, da er erfahren hat, dass auch Herr Müller Kinder hat. Herr Müller wertet dies als Bestechungsversuch. Zunächst findet er nichts, doch nach langem Suchen, kann er feststellen, dass die türkische Familie mit zwei Wochen Verspätung beim Amt erschienen ist. Er glaubt nun den Beweis gefunden zu haben, dass es sich bei dem Geschenk tatsächlich um einen Bestechungsversuch gehandelt habe.
Herrn Müllers Bericht bleibt ohne jeden Widerhall, der Barkeeper hilft ihm nicht aus seiner misslichen Lage, er hört ihm kaum zu. Er berichtet dem Barkeeper zudem, dass er wegen seiner Arbeit, selbst anfange gebrochen Deutsch zu sprechen und auch seine Frau ihn nicht mehr verstehe.
 
Die Geschichte von Rafik Shami ist, so einfach sie zu lesen ist, sehr komplex gebaut.
Da es sich um einen Monolog Herrn Müllers handelt, sind alle Geschehnisse ausschließlich aus dessen Innensicht geschildert, die Bewertungen und Einschätzungen der Vorkommnisse auf dem Amt aus der Sicht des Beamten werden daher gleich mit geliefert. Da ein vermittelnder auktorialer Erzähler fehlt, muss man selbst zur Distanz zu der Perspektive des Herrn Müller finden. Es besteht natürlich wegen der unverblümten, manchmal witzigen  Sprache des Alltags die Verführung in Herrn Müllers Monolog einzusteigen und mit zu schimpfen, um sich auch einmal alle Negativurteile über Ausländer von der Seele zu reden.
Der Ort der Handlung ist die Bar, in der Herr Müller sich aufhält, wo er diese Erzählung ohne unterbrochen zu werden als Monolog an einen Barkeeper richtet, der sich jedoch nicht für seine Probleme interessiert und ihm nur oberflächlich zuhört. Ort der Erzählung Herrn Müllers ist das Büro der Einwanderungsbehörde, in dem Aufenthaltsbewilligungen für Gastarbeiter erteilt werden. Die zentrale Figur ist natürlich Herr Müller, die durch die Technik des Monologs von innen her charakterisiert wird. Der Leser bekommt Einblick in die Gefühle, Wertungen und Gedanken Herrn Müllers angesichts seiner beruflichen Kontakte zu den Ausländern im Büro. Die Ausländer werden nur aus der Perspektive Herrn Müllers dargestellt.
Rafik Shami ist verwirrender Weise Autor des Textes. Er stammt selbst aus Syrien und ist nach Deutschland eingewandert. Er hat dort sieben Jahre lang auf Baustellen oder als Fabrikarbeiter gejobbt, gleichzeitig hat er als arabischer Schriftsteller in arabischer Sprache publiziert. Rafik Shami bekam demnach selbst mit der Einwanderungsbehörde als Gastarbeiter zu tun und hat vermutlich Erfahrungen mit Beamten von der Art des Herrn Müller gemacht. Er hat sich mit dem Mittel des inneren Monologs in einen solchen Beamten eingefühlt und dessen Sicht auf die Welt von innen her charakterisiert. Unschwer ist in der Figur des arabischen Schriftstellers Ali Tachtal Rafik Shami selbst zu erkennen, der in der Betrachtungsweise Herrn Müllers als ungeliebter und verachteter Gast erscheint. Es ist als eine bedeutende Leistung Shamis anzusehen, die innere Welt Herrn Müllers und dessen Weltsicht so realistisch und überzeugend und unmittelbar darzustellen, dass nicht wenige Deutsche oder Österreicher an dieser Weltsicht des Herrn Müller anknüpfen können und ihre eigene Meinung über Ausländer darin bestätigt sehen. Die einzige Irritation ergibt sich daraus, dass eben ein solcher arabischer Gastarbeiter diesen Text verfasst hat.
 
Die Haltung Herrn Müllers zu den Ausländern ist von vorn herein negativ, da er sie mit kraftvollen Schimpfwörtern belegt. Er macht nicht die geringsten Anstrengungen, das Verhalten der Ausländer von innen her zu verstehen oder von einer Warte her zu deuten, die diese als gleichwertige Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund erscheinen lassen. Für ihn sind alle Ausländer ‚primitive Untermenschen’, was sich an dem Kraftausdruck ‚Kanaken’ zeigt. Sämtliche Verhaltensweisen, die Kleidung, der Geruch, das Verhalten sind ihm weitere Beweise für dieses von vornherein gefällte Werturteil. Das äußert sich beispielsweise an seiner Bewertung der Kleidung des Italieners, der sich seiner Meinung nach kleidet, ‚als ob er in eine Diskothek ginge’, in der Beurteilung der Tatsache, dass der Italiener ‚Gastarbeiter’ in das Feld Nationalität einträgt als eines boshaften Akts. Es zeigt sich auch darin, dass er die arabische Sprache, die ihm fremd ist und die er schwer aussprechen kann, abfällig bewertet. Auch die islamische Zeitrechnung erscheint ihm als persönliche Beleidigung. Dass die türkische Familie insgesamt erschienen ist, findet er ebenfalls als Ausdruck eines Fehlverhaltens. Den Pass des Arabers empfindet er als stinkend, den Körpergeruch des Türken als unangenehm.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Herr Müller alles abwertet, was nicht seinen Vorstellungen von ‚richtigem’ Benehmen, was nicht seiner eigenen Vorstellung von Welt entspricht. Für ihn ist es sogar undenkbar, dass jemand Schriftsteller sein kann, wenn er nicht gut deutsch spricht, da für ihn offenbar nur deutsche Schriftsteller existieren.
Das Verfahren, das Rafik Shami anwendet, um Herrn Müller zu charakterisieren ist für Herrn Müller demnach undenkbar. Die Grenzen seiner Urteile und Wertvorstellungen sind die Grenzen seiner Welt. Er kann daher nicht auf die Idee kommen, sich seinerseits in die vor ihm sitzenden Ausländer einzufühlen und die Welt aus deren Perspektive zu betrachten. Dazu müsste er sich ja auch über viele Dinge informieren, was ihm im Rahmen seines begrenzten Weltbildes nicht möglich ist.
De facto ist es denkbar, zu sehen, dass der Italiener tatsächlich seine nationale Identität verloren hat, seine Muttersprache, seine Kultur und dass er darunter leidet. De facto ist es vorstellbar, dass der Italiener auch nachts von seinem Chef träumt, weil dieser ihn vielleicht miserabel behandelt und demütigt, was Herr Müller aber nur in Erfahrung brächte, wenn er nachforschte. De facto findet der Italiener die Situation, jährlich erneut zum Amt kommen zu müssen und um Aufenthaltserlaubnis anzusuchen absurd und demütigend. Vielleicht meint er seinen Vorschlag ihm die Stempel mitzugeben scherzhaft. Und vielleicht kann man seine Kleidung auch als Ausdruck von Lebensfreude und Sinnlichkeit oder sonst wie jedenfalls aber positiv bewerten.
Tatsächlich gibt es Schriftsteller mit anderer als der deutschen Muttersprache, nicht alle Schriftsteller sprechen deutsch. Herrn Müller fällt es nicht auf, dass beide, er und der arabische Schriftsteller das Problem haben, den Namen des jeweils anderen auszusprechen.
Die Sprachen sind einfach sehr unterschiedlich. Tatsächlich gibt es die islamische Zeitrechnung. Es gibt auch die jüdische und die chinesische Zeitrechnung usw. Die christliche Zeitrechnung ist nicht die einzige auf der Welt. Auch hier wirft Herr Müller einseitig dem arabischen Schriftsteller vor, dieser müsse die Umrechnung der Zeitrechnungen wissen. Es fällt ihm nicht auf, dass er selbst sie nicht im Entferntesten kennt, obwohl er in der Einwanderungsbehörde arbeitet. Schriftsteller scheint in der Weltsicht des Herrn Müller grundsätzlich kein ordentlicher Beruf zu sein. Dass der Mann zudem Erfolg bei Frauen hat, findet er ebenfalls bekrittelnswert, obwohl dies doch auch Anlass zu Bewunderung geben könnte.
Dass der türkische Vater das Recht seines Kindes verteidigt zu spielen und dem Wert eines kaputten Gummibaumblatts nicht so viel Beachtung schenkt wie der Bewegungsfreiheit seines Kindes bringt Herrn Müller auch nach der Frage des Türken, ob er Kinder habe, nicht auf den Gedanken, dass Kinder in der türkischen Kultur möglicher Weise hoch geschätzt werden und die Geste ihm etwas für seine Kinder zu schenken Ausdruck der türkischen Wertschätzung von Kindern, auch der anderer, sein kann. Für ihn gibt es nur eine einzige mögliche Deutung, er wertet dies als Bestechungsversuch und findet nach langem Suchen eine kleine Unregelmäßigkeit, die er als Bestätigung für sein Vorurteil auffasst.
Dass der Türke nicht allein, sondern mit der gesamten Familie erschienen ist, deutet er nicht als besonderen Ausdruck des Respekts für den Besuch bei einem Amt wie er für Dörfler üblich ist, die wenig mit Behörden zu tun haben.
 
Insgesamt ist die Situation vertrackt, da Herr Müller in seiner Weltsicht sicher von Kumpels bestärkt wird oder andererseits nur als Rassist beschimpft wird, er mit seiner Haltung zur Welt jedoch selten die Möglichkeit haben wird, die Anderen von innen her kennen zu lernen und zu verstehen. Andererseits erfährt auch er mit seinen Problemen kein wirkliches Verständnis. Rafik Shami zeigt dies, indem er den Beamten Müller sein Leid ins Leere klagen lässt, denn der Barkeeper hört ihm nicht zu und interessiert sich überhaupt nicht für ihn.
 
Der Text ist hochaktuell, er ist in sich verschachtelt, er lässt sowohl nach der realen Weltsicht der Gastarbeiter und ihrer Probleme fragen wie nach der Möglichkeit der Überwindung begrenzter Weltbilder wie dem des Herrn Müller. Er behandelt das Problem der Integration und das Problem der Vereinzelung des Menschen, der mit seinen Problemen allein gelassen ist.